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Liebe Brüder im Geiste,
wie einstens ich Buchhändler Schwan aus Mannheim die Bogen meines Räuberdramas zu überreichen gedachte, so auch am gestrigen Tage.
Das Manuskript eines jüngst mir entstammten Stückes weist sicherlich noch passagenweise Mängel auf und ich täte gut daran, ihm einen wohlfeileren Ausdruck noch angedeihen zu lassen. Ich werde diesem Bestreben in Bälde nachkommen.
So begab ich mich munt’ren Schrittes zum Orte unserer angedachten Begegnung, der Eingangshalle des Schiller-Nationalmuseums.
Doch wehe, Einlass begehrend, dem Erdgeborenen, der sich nicht vom Schlamme Prometheus’ zu höherem Töpferwerke empor geadelt hat! Ihm wehren auch heute noch des Standes Schranken und eines Kerberos’ gleich gebärdet sich mancher Wachmann, die Pforte verrammelnd.
Schändlicher, dreimal schändlicher Weltgeist.
Galt dieser hochheilige Tag ernsten Gedenkens nicht der Idee eines allumspannenden Menschheitsbundes, dem edleren Freigeist, der sich über jegliches Standesdünkel mit Engelsschwingen hinweg zu heben vermag?
Segnet man so mein Andenken und zollt meiner Idee Bewunderung, indem man kärglich den Tatendrang erschlaffen lässt?
Wie dem auch sei…
Durch diesen misslichen Umstand wurde ich Schwan leider nicht gesichtig und übergebe Euch anbei mein Manuskript mit der Bitte um Weiterreichung an ihn.
Mit freundlichem Federschwunge
Schiller
P.S.
Desweiteren erhoffe ich, den mir in jüngsten Kindertagen liebgewonnenen Kastanienbaum auf der namentlich benannten Schillerhöhe einzuzäunen, um ihn vor urinierenden Hunden zu bewahren, jenen Baum, unter dessen Blätterdach ich -göttlicher Gnaden zuteil- der Musen Geschenk empfing.
Denn dieser heil’ge Bezirk erscheint mir noch ehrwürdiger als das mir eigens errichtete Pantheon, ein Menschengebäu.
©Ralph Schumacher
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