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Wüste verleih' Stimme dem Suchenden …
 
 
 




Goethe – Italienische Reise


eingestellt am 8. Juni 2008
in Vertonungen,Videos


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Dank für die Bereitstellung des Videos,
dieser phantastischen (!!!) Zusammenstellung
von Ton und Bild, gilt

 
PythiasBest

 

 


 

Venedig


 

28.9.1786 abends

So stand es denn im Buch des Schicksals auf meinem Blatt geschrieben, dass ich 1786 den achtundzwanzigsten September, abends, nach unserer Uhr um fünf, Venedig zum ersten Mal, aus der Brenta in die Lagunen einfahrend, erblicken und bald darauf diese wunderbare Inselstadt, diese Biberrepublik betreten und besuchen sollte. So ist denn auch, Gott sei Dank, Venedig mir kein bloßes Wort mehr, kein hohler Name, der mich so oft, mich, den Todfeind von Wortschällen, geängstigt hat.

Als die erste Gondel an das Schiff anfuhr – es geschieht, um Passagiere, welche Eil’ haben, geschwinder nach Venedig zu bringen – erinnerte ich mich eines frühen Kinderspielzeuges, an das ich vielleicht seit zwanzig Jahren nicht mehr gedacht hatte. Mein Vater besaß ein schönes mitgebrachtes Gondelmodell; er hielt es sehr wert, und mir ward es hoch angerechnet, wenn ich einmal damit spielen durfte. Die ersten Schnäbel von blankem Eisenblech, die schwarzen Gondelkäfige, alles grüßte mich wie eine alte Bekanntschaft, ich genoss einen lang entbehrten freundlichen Jugendeindruck.

Ich bin gut logiert in der „Königin von England“, nicht weit vom Markusplatze, und dies ist der größte Vorzug des Quartiers; meine Fenster gehen auf einen schmalen Kanal zwischen hohen Häusern, gleich unter mir eine einbogige Brücke und gegenüber ein schmales, belebtes Gässchen. So wohne ich, und so werde ich eine Zeitlang bleiben, bis mein Paket für Deutschland fertig ist, und bis ich mich am Bild dieser Stadt satt gesehen habe. Die Einsamkeit, nach der ich oft so sehnsuchtsvoll geseufzt, kann ich nun recht genießen; denn nirgends fühlt man sich einsamer als im Gewimmel, wo man sich allen ganz unbekannt durchdrängt. In Venedig kennt mich vielleicht nur ein Mensch, und der wird mir nicht gleich begegnen.

 

 

8. Epigramm

Diese Gondel vergleich’ ich der sanft einschaukelnden Wiege,
und das Kästchen darauf scheint ein geräumiger Sarg.
Recht so! Zwischen der Wieg’ und dem Sarg wir schwanken und schweben
auf dem großen Kanal sorglos durchs Leben dahin.

 

7. Epigramm

Eine Liebe hatt ich, sie war mir lieber als alles!
Aber ich hab sie nicht mehr! Schweig, und ertrag den Verlust!

 

10. Epigramm

Warum treibt sich das Volk so und schreit? Es will sich ernähren,
Kinder zeugen und die nähren, so gut es vermag.
Merke dir, Reisender, das, und tue zu Hause desgleichen!
Weiter bringt es kein Mensch, stell er sich, wie er auch will.

 

5. Epigramm

In der Gondel lag ich gestreckt und fuhr durch die Schiffe,
die in dem Großen Kanal, viele befrachtete, stehn.
Mancherlei Ware findest du da für manches Bedürfnis,
Weizen, Wein und Gemüs, Scheite wie leichtes Gesträuch.
Pfeilschnell drangen wir durch; da traf ein verlorener Lorbeer
derb mir die Wangen. Ich rief: “Daphne, verletzest du mich?
Lohn erwartet ich eher!” Die Nymphe lispelte lächelnd:
“Dichter sündigen nicht schwer. Leicht ist die Strafe. Nur zu!”

 

28. Epigramm

Welch ein Mädchen ich wünsche zu haben? ihr fragt mich. Ich hab sie,
wie ich sie wünsche, das heißt, dünkt mich, mit wenigem viel.
An dem Meere ging ich und suchte mir Muscheln. In einer
fand ich ein Perlchen; es bleibt nun mir am Herzen verwahrt.

 


©Ralph Schumacher
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Goethe – Vermächtnis


eingestellt am 31. Mai 2008
in Vertonungen,Weltliteratur


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Vermächtnis
von Johann Wolfgang von Goethe

 

 

Sprecher   Will Quadflieg
Bereitstellung   PythiasBest

 

 

 


 

 


Kein Wesen kann zu Nichts zerfallen!
Das Ew’ge regt sich fort in allen,
Am Sein erhalte dich beglückt!
Das Sein ist ewig: denn Gesetze
Bewahren die lebend’gen Schätze,
Aus welchen sich das All geschmückt.

Das Wahre war schon längst gefunden,
Hat edle Geisterschaft verbunden;
Das alte Wahre, faß’ es an!
Verdank’ es, Erdensohn, dem Weisen,
Der ihr, die Sonne zu umkreisen,
Und dem Geschwister wies die Bahn.

Sofort nun wende dich nach innen,
Das Zentrum findest du dadrinnen,
Woran kein Edler zweifeln mag.
Wirst keine Regel da vermissen:
Denn das selbständige Gewissen
Ist Sonne deinem Sittentag.

Den Sinnen hast du dann zu trauen,
Kein Falsches lassen sie dich schauen,
Wenn dein Verstand dich wach erhält.
Mit frischem Blick bemerke freudig,
Und wandle sicher wie geschmeidig
Durch Auen reichbegabter Welt.

Genieße mäßig Füll und Segen,
Vernunft sei überall zugegen,
Wo Leben sich des Lebens freut.
Dann ist Vergangenheit beständig,
Das Künftige voraus lebendig,

Der Augenblick ist Ewigkeit.
Und war es endlich dir gelungen,
Und bist du vom Gefühl durchdrungen:
Was fruchtbar ist, allein ist wahr;
Du prüfst das allgemeine Walten,
Es wird nach seiner Weise schalten,
Geselle dich zur kleinsten Schar.

Und wie von alters her im stillen
Ein Liebewerk nach eignem Willen
Der Philosoph, der Dichter schuf,
So wirst du schönste Gunst erzielen:
Denn edlen Seelen vorzufühlen
Ist wünschenswertester Beruf.

 


©Ralph Schumacher
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Homer – Odyssee


eingestellt am 30. Mai 2008
in Vertonungen,Weltliteratur


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Odyssee
17. Gesang

 
von Homer

 

 


 

 

 

Übersetzung   Johann H. Voß
Sprecher   Mathias Wiemann
Bereitstellung   PythiasBest



Immer wieder eine gelungene Komposition edlern Worts und Kunstgebilden!

 



 


©Ralph Schumacher
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