| Fremdheit als Konstruktion |
| Kreis
oder Kreislinie? Striche oder Dreieck? Stets ist das Gehirn bestrebt, Ganzheiten hervorzubringen. |
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![]() "Sicht"-Weisen eines U-Bootsteuermannes anhand von Messgeräten |
Die
Realität wirkt nicht wie eine 1:1-Abbildung eines
Fotoapparates, sondern die Wahrnehmung wird in ihrer neuronalen
"Übersetzung" durch begleitende Gefühle bewertet, und zwar
so, dass die
Datenauswertung "plausibel" erscheint. Es ist ein konstruktiver, höchst subjektiver Vorgang, bei dem es darum geht, in sich stimmige "Ganzheiten" hervorzubringen. |
![]() Vollmond |
Ambivalenz
zwischen Angst und Faszination, jeher Triebfeder gesellschaftlicher
Entwicklungen. Ängste der Menschen : vor Naturgewalten (Blitzschlag --> Blitzableiter), täglicher Überlebungskampf (erschöpftes Nahrungsangebot ---> Ackerbau), Ende der Zeiten (Apokalypse ---> rationales Weltbild) Faszinationen der Menschen, der Reiz, die Verlockungen des Unbekannten, mit dem Antrieb es zu beherrschen, führten zu Entdeckungen und Eroberungen. |
| Muster
der Deutungen |
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Fremdheit als Voraussetzung für
Eigenheit Das Fremde wird als faszinierend wahrgenommen, weil es "das Ursprüngliche", "das Spontane" verkörpert, das einem selbst verloren gegangen ist. Fremdheit wird gedeutet als Entdeckung und Wiedergewinnung des eignenen Ursprungs und des mit dem Fremden gemeinsamen. |
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Fremdheit als Gegenbild des Eigenen Das Fremde dient dazu, die eigenen Schwächen zu kompensieren oder eine identitätsstärkende Haltung einzunehmen. Das Eigene erscheint jeweils als Gegenbild : Wird die eigene Person/Kultur/Gesellschaft in Bezug auf bestimmte Merkmale als negativ wahrgenommen, erscheint das Fremde als positives Gegenbild. Siehe auch Werbestrategien für Orientreisen (grauer Alltag vs. "Imagerie des Orients" mit ungezügelter Sinnesfreude) |
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Fremdheit als eigennützige
Ergänzung Das Andersartige dient als dynamische Kraft, der Bereicherung eigener Entwicklungsdefizite und wird für die eigene Entwicklung "instrumentalisiert", d.h. dinglich gemacht. Das Fremde wird seiner potenziell beruhigenden Kraft beraubt. |
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Fremdheit als Komplementarität (wahre
Ergänzung) Das Fremde wie das Eigene wird als Bedingung des anderen wahrgenommen. |
| Komplizierte
Welt vs. Einfachheit durch fundamentalistisches Weltbild |
____![]() Bibliotheken warten mit
universellem Wissen eines Weltbürgers auf
|
Differnzierung hat den
Preis einer möglichen unüberschaubaren Informationsfülle. |
![]() "Minimalkatalog" |
Die als vielschichtig, wenn
nicht sogar als chaotisch wahrgenommene Welt, lässt sich durch
Reduzierung (der Realität) erträglicher gestalten, indem man
auf scheinbar "normale" (weil von allen geteilte) Ordnungskategorien
zurückgreift, wie z.B. Hautfarbe, Nationalität oder Herkunft,
Kultur oder Religion. Gefahr undifferenzierter, unreflektierter Vorurteile wie z.B. "Stammtischdebatten" mit fehlender Gedankentiefe und favorisierten Pauschaläußerungen. Daher ist Diskriminierung eine Möglichkeit, sich der Ambivalenz, der Vielfalt des Fremden, durch einfache Denkmuster mit komplexen Sachverhalten zu nähern. Beispiel : Eine Unterrichtsstörung durch einen 15-jährigen Schüler wird nicht darauf zurückgeführt, dass er gerade von einem purbertären Hormongewitter erfasst wird, sondern darauf, dass er "Türke ist". |
| Strukturen
fundamentalistischer Weltbilder |
| Herrschaft ausüben und Ordnung
(wieder)herzustellen als Möglichkeit, die mannigfaltige Realität "in den Griff zu bekommen" durch "Einheitslehren", Bekämpfung politisch anderen Ideen und Verhaltensweisen. Demokratie und Gesellschaft erscheinen als Ausdruck des Chaos ("Vielköchelei"), Gemeinschaft als identitätsstiftend, um die aus der Spannungs- und Ambivalenzerfahrung resultierende Angst zu binden. |
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Im Kampf gegen Zustände der
"Vermischung" und der Verwischung eindeutiger Grenzen spiegelt sich der Kampf gegen das als Chaos empfundene eigene Unbewusste. Alle Formen von Völkermord bzw. "ethnische Säuberung" (Nürnberger Rassengesetze)liegt der Reinheit und Homogenität des Eigenen zugrunde. |
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Wertende Abgrenzung vom Anderen Negative Wertung wird kaschiert mit Hilfe der Ideologie der historischen Einzigartigkeit eines Volkes (Juden beim Einzug ins "verheissene Kanaan", Osterweiterung des deutschen Lebensraumes durch eine "Arierrasse"). Mysthische Verklärungen mit der eigenen Identitätsbegründungen aus der Vergangenheit heraus werden eher als stimmig wahrgenommen. |
| Klare Hierarchie sichert die Grössen- und Machtfantasien der herrschenden Instanz durch Allgemeingültigkeitsansprüche, nicht selten durch die Vorstellung auserwählt zu sein. Beispiele : Dikaturen und Sekten. Angst und Aggression wird durch die Vorstellung eines "höheren Ziels" gebunden und damit ins Unbewusstsein verschoben. Progagierung von Askese verhilft der Sinnlichkeitsunterdrückung jeder Art, da Sinnlichkeit bei der Herstellung des Gemisches aus Angst, Schuldgefühlen und Unterwerfungsbereitschaft eine entscheidende Rolle spielt. |
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Klare Grenzlinie zwischen der Sphäre
des Eigenen und der des Fremden ist wichtig, um durch Meidung des Fremden eine Destabilisierung des Selbstbildes nicht zu riskieren. Die Grenze zwischen Chaos und Ordnung gilt es mit Hilfe der Konstruktionen scharf konturierter Identitäten zu sichern. |
| Zur
Störanfälligkeit interkultureller Kommunikation |
![]() Blickkontakt |
Türkei Meidung des Blickkontaktes bedeutet Respekt und Gehorsam Deutschland Blickkontakt bedeutet Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit |
![]() Körperkontakt |
Arabien und Südamerika (
"Kontakt/-Berührungskulturen") vs. Nordeuropa und Japan
("Distanzkulturen") engeres Zusammenstehen, häufiger Blickkontakt und lauteres Sprechen |
![]() Berührung / Begrüssungsrituale |
Frankreich Begrüssungskuss |
![]() Sprechpausen |
Korea 1.) knappe Äußerungen 2.) keine thematischen Ausschweifungen, private Ausführungen 3.) Rückfragen (des Lehrers) rein rhetorisch (zur Kräftigung seiner Machtposition) |
![]() Sozialer Status |
Gewisse Berufe bringen
gewissen Stellenstatus mit sich Dementsprechend ist das Verhalten des Gesprächspartners (höflich, zurückhaltend, schweigsam, unterwürfig) |
![]() Kulturelle Denkmuster
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Im wirtschaftlichen Bereich (
"Zweckrationalität" ) in Industriestaaten Sachverhalte nüchtern, assoziativ eingekreist Alltagsgespräche haben eher Unterhaltungscharakter und dienen der Festigung sozialer Strukturen |